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10.09.2005
Astronomietag Sternwarte Kronshagen


Ort: Sternwarte Kronshagen
Zeit: 18.00 - 00.00 MEZ
Instrumente: 20 cm Newton (Dobson) f=1200 mm
Okulare: 40 mm Ortho (30 x), 32 mm Weitwinkel (38 x), 12.5 mm Ortho (96 x).
Grenzgröße: nicht bestimmt


Am Samstag, dem 10. September 2005 war der 3. bundesweite Astronomietag. Auch wir von der GvA Gruppe Kiel hatten dieses Mal einiges geplant. Hauptpunkt war das Öffnen der beiden Sternwarten in Kronshagen ab 15 Uhr MEZ für Besucher zur Besichtigung und der Aufbau von Teleskopen der Mitglieder des Vereins auf dem Rasen zwischen den Sternwarten. Tagsüber wurden Sonnenbeobachtungen angeboten und abends auch die Beobachtung anderer Objekte.


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Astronomietag am 10. September 2005 an der Sternwarte Kronshagen
© Mario Lehwald


Leider kamen sehr nur wenige Besucher. Die Tendenz nach immer weniger Besuchern war bei uns schon seit einiger Zeit deutlich zu merken. Die Allgemeinheit scheint irgendwie immer weniger Interesse an richtiger Astronomie zu haben, als sich vielmehr für irgendwelchen Hokuspokus-Blödsinn, Lasershows oder Multimedia-Effekthaschereien zu interessieren.



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Astronomietag am 10. September 2005 an der Sternwarte Kronshagen
© Mario Lehwald


Trotz der wenigen Besucher war es aber ein sehr stimmungsvoller, hervorragender Abend wie die Fotos auch beweisen. Die noch relativ hohe Temperatur trug ebenfalls sehr zum Wohlbefinden bei. Der Himmel war klar, aber teils auch mit sehr leichtem Cirrus überzogen und die Durchsicht war auch nicht so toll. Besonders zum Sonnenuntergang und in der nachfolgenden Dämmerung machte ich sehr viele Stimmungsaufnahmen. Nach 20 Uhr MEZ wurde es dunkel genug, um die Teleskope zu benutzen. Einige probierten den Hantelnebel M 27 oder den Kugelsternhaufen M 13 im Herkules einzustellen. Entgegen meinen Befürchtungen waren diese Objekte in den Teleskopen doch einigermaßen gut zu sehen gewesen!



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Astronomietag am 10. September 2005 an der Sternwarte Kronshagen
© Mario Lehwald


Ich machte mich ebenfalls an den Kugelsternhaufen M 13 ran. Im Sucher war er schon deutlich als kleiner verwaschener Stern zu sehen gewesen. Doch nicht im Hauptrohr. Was war jetzt los? Ich schwenkte das ganze Rohr ein wenig hin und her, aber kein M 13 in Sicht! Irgendwas war faul. Entweder spinnte das Teleskop oder ich. Ein neuer Versuch brachte das gleiche Ergebnis. Dann stellte ich eine ferne Straßenlaterne am Westhorizont ein um das mal genauer zu prüfen. Wieder nichts im Hauptrohr. Verflixt! Also stellte ich die gleiche Laterne direkt im Hauptrohr ein. Bingo! Der Sucher war total verstellt! Also erstmal den Sucher grob justieren, zumindest so, daß das Objekt wenigstens in beiden Rohren im Gesichtsfeld zu sehen ist.

Nach dieser Panne gings wieder zu M 13. Jetzt klappte es auch auf Anhieb. Im Hauptrohr ein schöner Lichtball aus zahlreichen nadelfeinen Sternchen. Nach diesem Anblick spazierte ich direkt Hauptrohr mit der schwächsten Vergrößerung etwas im Schwan herum. Plötzlich fiel mir eine kleine Sterngruppe auf. Sah aus wie ein offener Sternhaufen, aber welcher war es? Erstmal Vergrößerung auf etwa 100fach erhöhen. Scheint ein eher sternarmer Haufen zu sein. Also die Stelle merken um am nächsten Tag zu Hause nachzusehen. Es war der offene Sternhaufen M 29, eines von den unbekannteren Messier-Objekten.

Dann noch ein Schwenk zu M 31, der Andromedagalaxie am Osthimmel. Leider ist Richtung Osten die Stadt, und der Himmel dort auch blaßgelb von dem vielen Streulicht erhellt. Daher versprach ich mir nicht viel vom Anblick im Teleskop, was auch stimmte. Man sah zwar den kleinen hellen Kern der Galaxie und die eine kleine Begleitgalaxie M 32; aber das wars dann auch. Von den prächtigen Anblicken im Okular, die ich bei bestem Himmel auf dem Aschberg kenne, wo die Galaxie das gesamte Gesichtsfeld ausfüllt und gleichzeitig mit beiden Begleitgalaxien erscheint, kann man hier nur träumen! Allerdings konnte ich zumindest noch zwei Besuchern die Andromedagalaxie im Okular zeigen! Und für diese war schon dieser blasse Anblick eindrucksvoll gewesen.


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Ein ruhiger stimmungsvoller Abend!
© Mario Lehwald


Nach 22 Uhr MEZ bauten wir langsam ab und es wurde alles eingeladen. Von Südosten kam eine Wolkenbank heran und es zog langsam zu. Ich mußte zwar am nächsten Tag (Sonntag) wieder früh hoch, aber Astronomietag ist ja auch nur einmal im Jahr und man ist ja auch noch jung! Da verkraftet man kurze Nächte noch ziemlich gut, wenn es nur mal zwischendurch ist und nicht die Regel wird. Da zum Teil ein sehr starker Ostwind wehte, fuhr ich kurzentschlossen nach dem Ausladen zu Hause nochmal zum Leuchtturm Bülk. Es war zwar dunkel, aber egal. Mal sehen was die Ostsee so macht! Dort angekommen, waren wieder ordentlich Wellen.

Nach dem Wellenspektakel fiel mir aber nochwas auf: Ein prächtiger Sternenhimmel! Alle Wolken waren weg; nur tief im Süden war eine Wolkenbank zu sehen. Selbst das Band der Milchstraße, was man an der Sternwarte Kronshagen kaum sah, spannte sich prächtig über den Himmel! Es ist unglaublich was für ein kümmerliches Fragment der Sternenhimmel in Stadtnähe doch (geworden) ist. Selbst an der Sternwarte hätte ich den Sternenhimmel noch besser eingeschätzt, aber dieser direkte Vergleich hat mich jetzt eines Besseren belehrt. Nach dieser Erkenntnis gings wieder zurück und ich fuhr rasch wieder in die Wolkensuppe hinein, die über Kiel hing.

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
www.andromedagalaxie.de