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29.04. bis 01.05.2011
9. AFT


Das 9. Aschberg-Frühjahrs-Teleskoptreffen fand am Wochenende vom 29. April bis zum 1. Mai 2011 statt. Schon vorher zeigten die Wetterprognosen ein stabiles Hoch über der Nordsee und der norwegischen See. Die Prognosen hielten sich, allerdings lag Schleswig-Holstein am Südrand des kräftigen Hochs, wo ein starker Druckgradient herrschte. Daher wehte hier ein starker Ostwind. Für das gesamte Wochenende war dafür klarer Himmel angesagt. Den Samstag habe ich wegen meiner Wochenendarbeit freigenommen.

Ich beschloss, schon am Freitag Abend zum Aschberg hoch zu fahren. Der 20 cm Newton wurde ebenfalls mitgenommen. Dazu der Koffer mit dem Zubehör, der Ordner mit den Sternkarten und -listen sowie die Lampe, die kleine Digitalkamera und das Fotostativ.

Kurz vor 19.00 Uhr MEZ kam ich auf dem Aschberg an. Zunächst wurden einige Fotos im Abendlicht gemacht. Die Wohnmobile standen dieses Mal auf der Nordostseite, als Windschutz. Es war sehr klar und im Abendlicht gelangen wieder gute Bilder. Anschließend baute ich den 20 cm Newton auf dem Sportplatz auf. Die Sonne näherte sich langsam dem Horizont und ging hell orangefarben unter. In der folgenden Abenddämmerung machte ich einige Stimmungsaufnahmen.


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Blick auf das Aschberg Teleskoptreffen (29.04.2011)
© Mario Lehwald


Als es für den Autofokus der Kamera zu dunkel wurde, sah man bereits einige der hellsten Sterne in der fortschreitenden Dämmerung. Ich richtete den 20 cm Newton auf Arktur. Der Anblick dieses hellen roten Riesen am tiefblauen Himmel ist immer wieder faszinierend. Dann folgten weitere helle Sterne, z. B. Procyon und Capella.

Langsam wurde es dunkler und die Sternbilder kamen immer mehr durch. Der Wind legte sich etwas, war aber zeitweise immer noch stark. Der 20 cm Newton vibrierte manchmal stark.

Etwas weiter nördlich von meiner Position stand Bernd Schatzmann mit seinem 18 Zoll Dobson und die Gruppe von der Sternwarte Neumünster. Dort war auch ein Windschutz aufgebaut, wo es deutlich ruhiger war. Da dort noch Platz für mein Teleskop war, baute ich es um. Zunächst stellte ich den Doppelstern Psi im Drachen ein, zwei fast gleich helle Sonnen der Spektralklasse F.

Mittlerweile wurde es richtig dunkel und die Aufhellung im Nordwesten verschwand allmählich. Wenig später leuchtete tief am Nordhimmel ein Polarlicht auf. Es war auf einmal da und eine Zeit lang zu sehen, wobei es seine Gestalt ständig veränderte. Es war nicht sehr hell, aber trotzdem einwandfrei auszumachen.

Nach etwa 20 Minuten wurde das Polarlicht schwächer und wir gingen an die Teleskope zurück. Während ich noch mit dem Doppelstern Psi im Drachen beschäftigt war, wurde an Bernds 18 Zoll Dobson die Spiralgalaxie M 81 im großen Bären eingestellt. Als ich hindurchsah war ich erstaunt, wie hell und groß das Ding doch war. Beim genaueren Hinsehen konnte ich sogar ganz schwach zwei Spiralarme sehen, einen oberhalb und einen unterhalb des hellen Kerns.

Danach kam die Frage, was stellen wir nun ein? Bernd sagte "bleiben wir erstmal bei den Spiralen". Also folgte die Spiralgalaxie M 51 in den Jagdhunden, die fast im Zenit stand. Und das war der beste Anblick des gesamten Treffens! M 51 erschien wirklich als deutliche und auch helle Spirale, mit Spiralarmen, genauso wie man ihn von Schwarzweissfotos aus Büchern kennt.

Danach machte ich an meinem 20 cm Newton weiter. Ich wollte ja noch einige besondere Sterne sehen. Zunächst nahm ich mir µ Cephei vor, der auch als Granatstern bekannt ist. Es ist ein roter Überriese, der auf Fotos tiefrot erscheint. Die zuvor ausgedruckten Sternkarten brauchte ich gar nicht, ich sah µ Cephei bei dem prächtigen sofort mit dem bloßem Auge. Im 25 mm Okular erschien er deutlich orange.

Überhaupt war das Sternbild Cepheus mit seinen vielen schwachen Sternen sehr deutlich zu sehen, obwohl es nicht sonderlich hoch am Himmel stand. Sogar das Band der Milchstraße sah man im unteren Teil des Sternbildes wie eingebettet. Das waren Anblicke, wie ich sie in der Nähe von Kiel nicht kannte.

Dann hörte ich Bernd fragen "Was wollt Ihr noch sehen?". Ich fragte ihn wie das mit dem Coma-Galaxienhaufen aussieht. Er sagte, daß man den mit seinem 18 Zöller schon sehen kann und stellte ihn ein. Ich sah zunächst eine helle Galaxie, aber nach etwas längerem Hinsehen wurden immer mehr dieser kleinen schwachen Lichtfleckchen sichtbar. Es waren bestimmt einige Dutzend gewesen, die gleichzeitig im Gesichtsfeld des Weitwinkelokulars standen...

Die Zeit rannte und es war bald nach 1 Uhr MEZ. Ich baute mein Teleskop ab und jemand half mir beim Zurücktragen der Teile. Als alles wieder eingeladen war, brach ich gegen 1.30 Uhr MEZ auf und fuhr nach Hause.

Am nächsten Tag, dem Samstag, war es wieder sonnig und wolkenlos. Da ich diesen Tag frei genommen hatte, wollte ich natürlich wieder zum Aschberg hochfahren. Für den Fall das wieder ein Polarlicht auftauchen sollte, packte ich auch die Spiegelreflexkamera mit einem 200 Asa Diafilm ein. Ansonsten kam wieder alles mit, was ich schon am Vortag mitgenommen habe.


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Abendstimmung (30.04.2011)
© Mario Lehwald


Am frühen Abend brach ich auf und kam kurz vor 19 Uhr MEZ auf dem Aschberg an. Die Sonne schien und warf ihr sanftes Abendlicht auf den Sportplatz, wo die Teleskope standen. Ich ging zunächst wieder zu meinen alten Platz vom Vortag, wo Bernd Schatzmann seinen 18 Zöller stehen hatte. Er war aber nicht an seinem Teleskop. Ich machte dort erstmal Fotos von den Teleskopen unter blauen Himmel. Auch von der GvA Gruppe Kiel traf ich einige Mitglieder. Anschließend ging es auf die Bergspitze, um dort noch einmal den gesamten Platz zu fotografieren.

Als ich wieder unten auf dem Sportplatz war, sinkte die Sonne Richtung Horizont und die Teleskope glühten im orangenen Abendlicht. Der Wind war deutlich schwächer als am Vortag. Ich begann mit meinen Stimmungsaufnahmen, teilweise in liegender Position. Der Sonnenuntergang war viel zu hell, um ihn mit Telezomm zu fotografieren. Aber die Luft war sehr klar, noch etwas klarer wie am Vortag.

Nachdem die Sonne untergegangen war, holte ich mein Teleskop und jemand half mir wieder, die Sachen auf den Platz zu tragen. Der 20 cm Dobson war schnell aufgebaut. Anschließend wurde er in der hellen Abenddämmerung fotografiert. Danach machte ich mit meinen Stimmungsaufnahmen weiter. Die Beobachter bereiteten ihre Teleskope für die kommende Nacht vor und bildeten zusammen mit den teilweise mächtigen Teleskopen Silhouetten vor der Abenddämmerung.


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Aufbruch in die Nacht (30.04.2011)
© Mario Lehwald


Nach einer halben Stunde wurde es langsam dunkler. Ich richtete mein 20 cm Newton zunächst wieder auf helle Sterne. Der rötlich leuchtende Arktur bildete wie immer einen tollen Kontrast zum tiefblauen Himmel. Dann folgten weitere Stimmungsaufnahmen, bis die Belichtungszeit in den Bereich von 1/15 Sekunde kam. Kurz darauf bekam der Autofokus der Kamera wegen des schwindenen Lichtes langsam Probleme beim Scharfstellen. Die Kamera wurde eingepackt, denn ich hatte nun auch sehr viele Fotos zusammen.

Ich sah mir wieder einige für mich Sterne an: Den Doppelstern Psi im Drachen, den Polarstern mit seinen etwa 9 mag hellen Begleitstern, danach den Granatstern µ Cephei und den Hyperriesen Rho Cassiopeiae.

Nachdem es schon fast wieder dunkel war, folgte die Spiralgalaxie M 51. Allerdings konnte ich die Spiralstruktur in meinem 8 Zöller mehr erahnen als sehen. Wenig später sah ich mir M 51 wieder in Bernds 18 Zöller an. Der Unterschied war beeindruckend. Jeder war von der deutlich sichtbaren Spiralstruktur begeistert.

Dann wurde an Bernds 18 Zöller die irreguläre Galaxie M 82 im großen Bären eingestellt. Man sah richtig eine glimmende Galaxie von der Seite mit Strukturen im mittleren Teil. Anschließend folgte die Galaxie M 65 im Löwen.

Nach Mitternacht wurde mir von den Neumünsteranern eine Kleinigkeit vom Grill angeboten, und so ging ich in deren Zelt, wo der große Schwenkgrill stand. Draußen war es recht frisch, im Zelt aufgrund des Grills aber deutlich wärmer.

Später wurde an Bernds 18 Zöller noch eine ferne Supernova eingestellt, die gerade in der Galaxie NGC 3972 im großen Bären aufleuchtete und eine scheinbare Helligkeit von 13,4 mag hatte. Die Galaxie konnte ich deutlich sehen, nur wußte ich nicht genau, welcher der Sterne nun die Supernova war. Bernd war sich auch nicht sicher, denn seine Sternkarten zeigten keine Sterne bis 13,5 mag. Später habe ich ein Foto der Supernova gefunden und mich erinnert, welcher Stern im Okular das war.

Langsam stieg im Nordosten der Schwan hoch und mit ihm die Sternenpracht des schimmernden Bandes der Milchstraße. Auch der Cepheus mit seinen vielen schwachen Sternen war schön zu sehen. Sein unterer Teil war im Band der Milchstraße eingebettet.

Nach 1 Uhr MEZ baute ich meinen 20 cm Newton langsam ab und wieder half mir jemand die Teile zurückzutragen. Nach einigen Zögern fuhr ich dann gegen 1.30 Uhr MEZ langsam nach Hause.

Weitere Bilder vom 9. AFT gibt es in der Fotogalerie.

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
www.andromedagalaxie.de