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20. bis 22.04.2012
10. AFT


Ort: Aschberg
Zeit: 19.00 - 03.00 MEZ
Instrumente: 18 Zoll Dobson von Bernd Schatzmann


Es glaubte zunächst keiner daran, denn eigentlich war das AFT 2012 abgesagt worden wegen der beginnenden Baumaßnahmen der neuen Globetrotter-Lodge auf dem Aschberg. Es war auch schon ein Ausweichplatz an der Eider bei der Hohner Fähre gefunden worden. Vom 20. bis 22. April 2012 sollte dort das 1. Eider-Teleskoptreffen stattfinden.

Doch dann wandte sich einer der Geschäftsführer von der Globetrotter-Lodge an den Organisator des AFT und bot ihn an, das Gelände an jenem Wochenende dem AFT zu überlassen, da die Bauarbeiten erst im Mai beginnen würden! So konnte das 10. AFT plötzlich doch noch stattfinden!

Die Wetterlage war allerdings für ein Teleskoptreffen nicht so gut geeignet. Ein Zentraltief lag über den Britischen Inseln und lenkte labile Meeresluft nach Schleswig-Holstein. Tagsüber kam es rasch zur Entwicklung hochreichender Konvektion mit Schauern und Gewittern.

Auch am Samstag, dem 21. April kam es ab mittags zu Schauern und kurzen Gewittern. Bei dem Wetter können Teleskope nur mit wasserfester Abdeckung im Freien stehen. Der Himmel war recht bedeckt und ob die Nacht klar wird, stand noch nicht fest. Das Schauerband riß nach Südwesten zwar ab, aber es folgten von dort auch weitere Schauer nach. So entschied ich mich, mein Teleskop dieses Mal nicht mitzunehmen. Sollte es klar werden, gibt es ja dort genug Teleskope zum Durchsehen! Beim letzten AFT im April 2011 habe ich überwiegend durch Bernd Schatzmanns 18 Zöller gesehen, weil mein 8 Zöller da einfach nicht mithalten kann.

So bin ich nach 19 Uhr MEZ ohne Teleskop und nur mit meinem Datenstick zum Aschberg gefahren. Auf dem Stick waren einige fertige Vorträge drauf, von denen ich bei Bedarf schnell mal einen zeigen konnte. Aber ich kam doch schon recht spät, nämlich gegen 20 Uhr MEZ dort an, so daß das Thema Vortrag eher schon abgehakt war. Der Himmel war bedeckt, aber es war trocken. Von der GvA-Kiel habe ich keinen gesehen, aber die Neumünsteraner waren da mit ihrem großen Zelt und dem Grill darin. Dort traf ich dann auch auf Bernd Schatzmann. Er bot mir gleich eine Wurst an und begann wenig später auf seiner Gitarre zu spielen.

Wir saßen eine ganze Zeit im Licht vieler Kerzen im Zelt. Zwischendurch regnete es nochmal, aber nach 0 Uhr MEZ gingen wir raus und die Wolken wurden dünner! Man sah ganz langsam Saturn und Mars herauskommen. Danach gingen wir wieder ins Zelt und Bernd spielte wieder auf seiner Gitarre. Langsam kamen mehr und mehr Sterne zum Vorschein und gegen 1 Uhr MEZ war der Himmel zum größten Teil aufgeklart. Bernd sagte das man eigentlich noch beobachten könnte. Also nahm er die Abdeckung von seinem 18 Zöller und dann ging es los. Auch andere machten ihre Teleskope startklar.

Zuerst wurde an Bernds 18 Zöller der Saturn eingestellt, der im Sternbild Jungfrau stand. Ein schöner Anblick, aber er war nicht so scharf wegen seiner tieferen Stellung am Himmel.

Dann hatte ich den Wunsch, den Doppelstern 61 Cygni zu sehen. Die Vergrößerung wurde auf unter 200fach gesenkt und ich sah die beiden deutlich orange erscheinenden Sonnen im Okular strahlen. Mit einer Entfernung von 11 Lichtjahren gehört dieser Doppelstern zu den nahen Sternen. Immer wieder dachte ich daran, wenn man dort hingelangen könnte, und von einem dortigen Planeten aus die beiden Sonnen am Himmel sehen würde...

Als nächstes ging es zu dem Ringnebel M 57 im Sternbild Leier. Ein schöner Nebelring zeigte sich im Okular, wenn auch der Zentralstern nicht zu sehen war. Bernd sagte, daß dieser mit dem Teleskop ein Grenzfall ist und das er nur manchmal zu sehen sei.

Für Galaxien war der Himmel allerdings etwas zu diesig, und so gingen wir zu den Kugelsternhaufen. M 13 im Sternbild Herkules war eine wahre Pracht im 18 Zöller! Wenn man etwas länger in das Okular schaute, konnte man sogar eine richtige Tiefe im Bild erkennen. Als nächstes folgte der Kugelsternhaufen M 5 im Sternbild Schlange. Auch dieser war prächtig, aber etwas konzentrierter wie M 13. Auch M 92 im Sternbild Herkules folgte danach.

Dann wurde der Kugelsternhaufen NGC 6229 im Sternbild Herkules eingestellt. Dieser ist sehr weit von uns entfernt - etwa 100.000 Lichtjahre. Seine hellsten Sterne haben etwa 15,5 mag. Dennoch war dieser weit entfernte Kugelsternhaufen im 18 Zöller gut aufgelöst zu sehen. Die Einzelsterne erschienen sehr schwach, aber bei so vielen recht deutlich. Würde man nur einen einzigen dieser Sterne im Okular haben, würde er dagegen kaum noch zu erkennen sein.

Als nächstes folgte der offene Sternhaufen NGC 6791 im Sternbild der Leier. Auch hier haben wir es mit einem sehr weit entfernten Objekt zu tun. Mit über 13.000 Lichtjahren ist dies eine sehr große Entfernung für einen offenen Sternhaufen. Im Okular des 18 Zöller war er recht schwach und für einen ungeübten nicht sofort als Sternhaufen erkennbar. Ich sah aber seine nadelfeinen, schwachen Sterne auf Anhieb und hatte dagegen gleich den Eindruck eines zerstreuten Sternhaufens.

Im Osten erhob sich langsam das Sommerdreieck - das war ein schöner Anblick. Das Band der Milchstraße war zwar zu sehen, aber wegen des diesigen Himmels nicht so prächtig wie an anderen Abenden. Dafür war die Luft recht ruhig und das Seeing gut. Auch hatten wir kaum Wind, was das ganze doch angenehm machte.

Zum Schluß wurde doch nochmal die bekannte Spiralgalaxie M 51 im Sternbild der Jagdhunde eingestellt. Sie war etwas blaß; deutlich schwächer als auf den AFT's der letzten Jahre, was aber an dem diesigen Himmel lag. Trotzdem konnte ich die Spiralarme noch erkennen.

Mittlerweile war es fast 3 Uhr MEZ morgens. Richtung Nordosten wurde der Himmel vom Horizont her leicht heller. Dies waren die ersten Anfänge der Morgendämmerung, die man noch gar nicht als solche erkannte. Wir gingen zu Raffaels 30 Zöller und sahen uns dort noch einmal den Cirrusnebel im Sternbild Schwan an. Im Okular zeigte sich ein krummer Nebelbogen mit zahlreichen Strukturen.

Der Himmel im Nordosten wurde besonders in Horizontnähe heller und so brach ich langsam auf. Auf der Rückfahrt kam dann nochmal die CD "Mare Stellaris" als Abschluß zum Zuge. Gegen 3.40 Uhr MEZ bin ich wieder zu Hause angekommen.

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
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