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Ultrakompakte Zwerggalaxien


Im Jahr 1996 wurde bei einer Durchmusterung nach Kugelsternhaufen der elliptischen Galaxie NGC 1399 im Fornaxhaufen ein sehr kompaktes Objekt nahe der Galaxie NGC 1404 entdeckt.

Bei einer spektroskopischen Durchmusterung des Fornax-Galaxienhaufens ab 1999 wurden weitere sehr kompakte Objekte entdeckt. Und im Jahr 2006 folgten im Virgo-Galaxienhaufen wiederum einige dieser ultrakompakten Objekte wie z. B. M60-UCD1 oder M59-cO.


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M 60 UCD1
Ausschnitt aus dem Digitized Sky Survey 2 (15 x 15′)
Quelle: Sky-Map


Diese neuen und sehr kompakten Objekte sahen sehr sternähnlich aus, weshalb man sie zuvor eher für Vordergrundsterne gehalten hatte. Es stellte sich natürlich die Frage, um was es sich hier eigentlich handelt. Sind es vielleicht extrem massive und leuchtkrätige Kugelsternhaufen?


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M 59 cO
Ausschnitt aus dem Digitized Sky Survey 2 (15 x 15′)
Quelle: Sky-Map


Spektroskopische Untersuchungen dieser ultrakompakten Objekte zeigten ein ähnliches Spektrum wie das von Galaxienkernen. Sterne können es daher nicht sein. Auch sind die Radien dieser Objekte deutlich größer als die von bekannten Kugelsternhaufen unserer Milchstraße. So handelt es sich hier sehr warscheinlich um sehr dichte Kerne von Zwerggalaxien. Sie wurden Ultra compact dwarf galaxies genannt, abgekürzt UCD.


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UCD bei NGC 1404 im Fornaxhaufen
Ausschnitt aus dem Digitized Sky Survey 2 (15 x 15′)
Quelle: Sky-Map


Woher kommen diese ultrakompakten Zwerggalaxien? Es sind wahrscheinlich Zwerggalaxien, die in einer engen Begegnung mit einer größeren Galaxie ihre gesamten äußeren Sterne verloren haben. Wenn eine Zwerggalaxie sehr nahe an einer größeren Galaxie vorbeizieht, kann sie in eine Umlaufbahn um die größere Galaxie einschwenken und verliert dabei durch die Gezeitenkräfte der großen Galaxie ihre äußeren Sterne. Nur der kleine Kern ist so massiv und so dicht, daß er erhalten bleibt. Wenn das stimmt, müßten sich UCD's immer in der Nähe einer großen Galaxie befinden. Und das ist in den meisten Fällen auch der Fall!


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Virgo UCD 7 bei IC 3459 im Virgohaufen
Ausschnitt aus dem Digitized Sky Survey 2 (15 x 15′)
Quelle: Sky-Map


UCD's sind bis zum Anfang dieses Jahrtausends verborgen geblieben, weil sie sehr sternähnlich aussehen. Mit den Daten von modernen Teleskopen und Bildern des Hubble-Weltraumteleskops konnte ihre wahre Natur identifiziert werden.

Im Jahr 2015 gingen Studenten von der San Jose State University an die Arbeit und durchsuchten die Daten von verschiedenen Teleskopen, um weitere UCD's zu finden. Sie fanden zwei weitere und analysierten sie anhand von Beobachtungsdaten. Noch dazu handelt es sich hier um zwei extrem dichte Objekte mit der Bezeichnung M59-UCD3 und M85-HCCI.


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M 59 UCD3
Ausschnitt aus dem Digitized Sky Survey 2 (15 x 15′)
Quelle: Sky-Map


Bei den UCD ist die Sternendichte extrem hoch. Auf ein Raumgebiet von etwa 200 Lichtjahren tummeln sich etwa 10 Millionen Sterne! Der Rekord liegt bei 10 Millionen Sterne auf ein Raumgebiet von nur 20 Lichtjahren! Würden wir uns auf einen Planeten in einer solchen UCD befinden, könnten wir am Nachthimmel über 1 Million Sterne sehen.


ucd_nachthimmel.jpg

So könnte der Nachthimmel auf einen Planeten in einer UCD aussehen
© Mario Lehwald


Noch dazu hat man bei M60-UCD1 ein supermassives Schwarzes Loch (SMBH) im Zentrum gefunden. Auch das ist ein Hinweis darauf, daß es hier einmal um eine größere Galaxie mit einem Schwarzen Loch im Zentrum gehandelt hat.

© Copyright: 1998-2018 Mario Lehwald
www.andromedagalaxie.de