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Der Orion-Arm


Unsere Sonne liegt zur Zeit am Rande eines seitlichen Spiralarmes des Milchstraßensystems, den Orion-Arm. Der Orion-Arm liegt zwischen dem Sagittarius-Carina-Arm, der sich weiter nach innen in Richtung Zentrum des Milchstraßensystems befindet, und dem Perseus-Arm, der weiter außen liegt. Der Orion-Arm ist allerdings nur ein kleiner Seitenarm, der vom Sagittarius-Carina-Arm abzweigt.


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Das Milchstraßensystem von außen betrachtet
© Mario Lehwald


Da wir uns innerhalb des Milchstraßensystems befinden, liegen die Spiralarme von uns aus gesehen hintereinander, weshalb wir sie nicht einzeln sehen können. Auf den Orion-Arm blicken wir z. B. im Winter, wenn wir in Richtung der Sternbilder Orion, Einhorn, großer Hund und Zwillinge schauen. In diesem Gebiet gibt es eine Reihe von leuchtenden Gasnebeln und Sternhaufen, z. B. den berühmten Orionnebel M 42, den Pferdekopfnebel oder den Konusnebel NGC 2264 im Sternbild Einhorn.


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Der Konusnebel NGC 2264 im Sternbild Einhorn
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Der Orion-Komplex

Im Sternbild Orion liegt ein großer Komplex aus leuchtenden und dunklem Gas, in deren Zentrum die sogenannte Orion-OB1-Assoziation liegt. Diese ist eine lockere Ansammlung junger, heißer Sterne mit ähnlichen Eigenschaften, die nicht wie bei einem Sternhaufen in ein Zentrum konzentriert sind.

Der große Orionnebel M 42 ist der hellste und bekannteste Gasnebel am Himmel. Er ist etwa 1.500 Lichtjahre entfernt. In seinem Innern befinden sich vier Sterne, die dicht zusammen stehen - das sogenannte Trapez, auch als θ1 bezeichnet. Diese vier Sterne sind mit einem Alter von einigen 100.000 Jahren noch sehr jung und gehören zur Orion-OB1-Assoziation. Mit der Spektralklasse O und B sind die Trapezsterne sehr heiße Sterne, die viel Ultraviolettstrahlung abgeben. Durch die Ultraviolettstrahlung wird das benachbarte Gas aufgeheizt und zum Leuchten angeregt - es wird ionisiert. Durch die starken Sternenwinde der Trapezsterne wird das aufgeheizte Gas auseinandergetrieben.


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Der große Orionnebel M 42
ist der hellste Gasnebel am irdischen Himmel!

Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Im Orionnebel gibt es zahlreiche sogenannte Globulen. Das sind kleine und sehr dunkle Stellen, die sich in dem leuchtenden Gasnebel sehr deutlich abheben und wie Löcher im Nebel erscheinen. In diesen Globulen verdichtet sich die Materie immer mehr. Wenn es in ihrem Innern so heiß wird, daß die Kernfusion zündet, ist ein neuer Stern entstanden. Die meisten dieser jungen Protosterne innerhalb der Globulen im Orionnebel sind aber im optischen Bereich noch nicht sichtbar. Allerdings kann man sie im Infraroten bereits sehen, da sie sehr viel Wärme abgeben. So wurde auch das Hubble Space Telescope öfter auf den Orionnebel gerichtet und hat von diesem eindrucksvolle Detailaufnahmen geliefert.


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Blick auf die drei Gürtelsterne des Orion,
links unten liegt IC 434 mit dem Pferdekopfnebel.

Ausschnitt aus dem POSS (180 x 180′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Links direkt neben dem linken Gürtelstern ζ Orionis liegt der Gasnebel IC 434, in dem der berühmte Pferdekopfnebel, auch als Barnard 33 bezeichnet, eingebettet liegt. IC 434 wird durch die Ultraviolettstrahlung des Sterns σ Orionis zum Leuchten angeregt. Sein heftiger Sternenwind treibt das Gas von IC 434 auseinander. Der Pferdekopfnebel ist dagegen eine ehemals sehr dichte Stelle von IC 434, dessen Gas noch kalt und dunkel ist. Auch der Pferdekopfnebel wird als Globule angesehen, also einer Geburtsstätte neuer Sterne.


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Der Pferdekopfnebel Barnard 33,
eingebettet in dem Gasnebel IC 434.

Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


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Großaufnahme des Pferdekopfnebels Barnard 33
Ausschnitt aus dem POSS (25 x 25′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Etwas links oberhalb des Gasnebels IC 434 mit dem Pferdekopfnebel liegt ein weiterer Gasnebel mit der Bezeichung NGC 2023.


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Der Gasnebel NGC 2023 links oberhalb des Pferdekopfnebels
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Etwas links oberhalb vom linken Gürtelstern ζ Orionis finden wir einen weiteren Gasnebel - den Flammennebel NGC 2024.


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Der Flammennebel NGC 2024,
liegt links etwas oberhalb des linken Gürtelsterns ζ Orionis.

Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Auf einer langbelichteten Fotografie des Sternbildes Orion werden noch viel mehr Gaswolken sichtbar, z. B. ein langer gekrümmter und rötlich leuchtender Bogen, der sich über die gesamte linke Hälfte des Sternbildes Orion erstreckt und als Barnards Loop bekannt ist. Barnards Loop ist etwa 1.500 bis 1.700 Lichtjahre entfernt und eine riesige Gashülle mit einem Durchmesser von etwa 300 Lichtjahren. Er ist vermutlich vor etwa 3 Millionen Jahren durch eine oder mehrere Supernovae entstanden. Auch heute dehnt sich diese gewaltige Gasschale noch weiter aus.

Auch bei λ Orionis wird auf langbelichteten Fotografien ein fast kugelförmiger Gasnebel sichtbar, der die Bezeichnung Sh 2-264 hat. Der gesamte Komplex des Sternbildes Orion ist also in leuchtenden Gas und Staub eingehüllt.


Weitere Objekte im Orionarm

Der Orion-Arm reicht am Himmel natürlich noch weiter als in die Sternbilder Orion und Einhorn. In ihm liegen noch viele weitere bekannte Objekte Die Sternhaufen der Plejaden und Hyaden im Sternbild Stier befinden sich z. B. ebenfalls im Orion-Arm, genau wie die Sternhaufen M 35 im Sternbild Zwillinge und M 44 sowie M 67 im Sternbild Krebs.


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Die Plejaden M 45 im Sternbild Stier
liegen mitten im Orion-Arm.
Ausschnitt aus dem POSS (180 x 180′)
Quelle: Digitized Sky Survey


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Der Sternhaufen M 35 im Sternbild Zwillinge
ebenfalls im Orion-Arm liegend.
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


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Auch die beiden Sternhaufen M 44 (links) und M 67 (rechts)
im Sternbild Krebs sind Bewohner des Orion-Arms.
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′ und 30 x 30′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Auf den Orion-Arm sehen wir auch, wenn wir in die Sternbilder Schwan, Cassiopeia, Perseus und Fuhrmann sehen. Der bekannte Nordamerikanebel und der Pelikannebel, beides leuchtende Gaswolken im Sternbild Schwan, liegen z. B. mitten im Orion-Arm.


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Der Pelikannebel IC 5070 im Sternbild Schwan
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


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Teil des Nordamerikanebels NGC 7000 im Sternbild Schwan
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Auch der bekannte Kalifornianebel NGC 1499 im Sternbild Perseus befindet sich im Orion-Arm. Er ist etwa 1.000 Lichtjahre entfernt.


ngc1499.jpg

Ein Teil des Kalifornianebels NGC 1499 im Sternbild Perseus
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Wenn wir in die Sternbilder Cassiopeia, Perseus oder Fuhrmann schauen, blicken wir gleichzeitig auch auf den hinter den Orion-Arm liegenden Perseus-Arm. So befinden sich einige bekannte Sternhaufen in den Sternbildern Perseus und Fuhrmann nicht mehr im Orion-Arm, sondern im dahinter liegenden Perseus-Arm!

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
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