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Juli 1994
Einschläge von Shoemaker-Leavy 9 auf Jupiter


Im März 1993 wurde der Komet Shoemaker-Leavy 9 (D/1993 F2) in der Nähe des Planeten Jupiter entdeckt. Schon ein Jahr vorher kam er dem Planeten Jupiter so nahe, daß er die sogenannte Roche-Grenze überschritt und durch die Gezeitenkräfte des Jupiter auseinandergerissen wurde. Die einzelnen Bruchstücke reihten sich wie eine Perlenschnur entlang der Bahn des Kometen.

Kurz nach der Entdeckung des Kometen Shoemaker-Leavy 9 wurde klar, daß die Bruchstücke des Kometen auf den Jupiter einschlagen werden. In der Zeit zwischen dem 18. und 22. Juli 1994 sollten die Bruchstücke von Shoemaker-Leavy 9 auf den Jupiter stürzen.

So gab es bei der GvA-Kiel am 15. Juni 1994 im Hörsaal 101 der FHS-Kiel einen Vortrag von Matthias Wrigge über den Zusammensto▀ des Kometen Shoemaker-Leavy 9 mit Jupiter.

Gleich nach dem Vortrag gab es eine Diskussion, daß wir in der besagten Zeit eine Beobachtungskampagne starten wollen. Aber schon vor dem 18. Juli sollten einige Beobachtungen gemacht werden, damit wir den Anblick des Jupiter im Teleskop genau studieren konnten, um eventuelle Veränderungen durch die Einschläge erkennen zu können. Unser damaliger Leiter der GvA-Gruppe Kiel Stefan Jordan sagte allerdings, daß wir mit unseren Amateurteleskopen wahrscheinlich sowieso nichts von diesem Ereignis sehen werden. Aber wir sollten das doch als Anlass nehmen, einfach mal etwas genauer den Jupiter zu beobachten.

So liefen die Vorbereitungen und am 13. Juli fuhr ich erstmals zur Sternwarte Kronshagen und beobachtete dort abends den Jupiter. Ein Tag später war es bewölkt, aber am 15. und 16. Juli war ich abends wieder an der Sternwarte und beobachtete zusammen mit einigen anderen Mitgliedern der GvA-Kiel den Jupiter. Überhaupt war das Wetter in dieser Zeit sehr gut, recht warm und abends immer klar oder gering bewölkt.

Am 17. Juli war es ebenfalls klar, und so fuhr ich abends mit meinem 20 cm Newton wieder zur Sternwarte Kronshagen. Als mit dem Beobachten begonnen wurde und ich gerade den Newton aufgebaut habe, gab es eine gewisse Unruhe. Jemand rief das gibt es doch gar nicht. Dann kam Torsten Rahn aus der Sternwarte zu mir und fragte, ob ich den Jupiter schon eingestellt habe. Ich sagte das ich gerade dabei bin. Er drängte ich soll ihn sofort einstellen und genau draufsehen ob mir was auffällt. Als ich den Jupiter eingestellt hatte, sah ich im unterem Teil seiner Scheibe einen kleinen dunklen Fleck. Torsten fragte " was glaubst Du was das ist?" Ich überlegte, der Schatten eines Mondes auf Jupiter? Aber ist denn gerade einer zu sehen fragte ich? Außerdem war der Fleck nicht richtig rund und auch schon recht groß. Nein sagte Torsten, das ist genau das, warum wir hier sind! Das sind die Folgen der Einschläge!

Damit hatte wirklich keiner gerechnet, alle glaubten, man würde nichts in unseren Teleskopen von den Einschlägen sehen können! Wir beobachteten noch eine Weile weiter und es wurden auch erste Zeichnungen gemacht.

Am 18. Juli fuhr ich abends wieder zur Sternwarte und nahm meinen 20 cm Newton mit. Das Zusammenbauen der Regulusmontierung dauerte immer etwas, da ich die schweren Teile immer erst bis zum Rasen bei der Sternwarte tragen mußte.

Da ich damals noch kein Internet hatte, was noch überwiegend den Universitäten vorbehalten war, bestanden meine einzigen Informationen aus dem Vortrag von Matthias Wrigge. Allerdings war unser Leiter Stefan Jordan als Astrophysiker bei der Uni Kiel tätig und konnte aus dem Internet aktuelle Infos beschaffen. So brachte er immer wieder Ausdrucke der neuesten Bilder vom Hubble-Weltraumteleskop von den Einschlägen auf Jupiter mit zu unserem Treffen.

Auch unser damaliges Mitglied Torsten Rahn hatte als Student an der Uni Kiel Zugriff auf das Internet und wußte auch, zu welchem Zeitpunkt die einzelnen Bruchstücke von Shoemaker-Leavy 9 auf den Jupiter stürzen sollten. In der folgenden Tabelle sind diese Zeiten zusammengestellt:


Fragment Datum Zeit (UTC)
A 16.07.1994 20.11
B 17.07.1994 02.50
C 17.07.1994 07.12
D 17.07.1994 11.54
E 17.07.1994 15.11
F 18.07.1994 00.33
G 18.07.1994 07.32
H 18.07.1994 19.31
J 19.07.1994 02.40
K 19.07.1994 10.21
L 19.07.1994 22.16
M 20.07.1994 05.45
N 20.07.1994 10.31
P2 20.07.1994 15.23
P1 20.07.1994 16.30
Q2 20.07.1994 19.44
Q1 20.07.1994 20.12
R 21.07.1994 05.33
R 21.07.1994 05.33
S 21.07.1994 15.15
T 21.07.1994 18.10
U 21.07.1994 21.55
V 22.07.1994 04.22
W 22.07.1994 08.05

Am 19. Juli war ich nicht bei Sternwarte, aber wieder am 20. und 21. Juli. Es waren Flecken von weiteren Einschlägen zu sehen und es wurde auch ordentlich gezeichnet.

Am 23. Juli fuhren wir abends zusammen mit Stefan Jordan zur Sternwarte auf dem Institut für Astrophysik der Universität Kiel. Dort beobachteten wir den Jupiter und es wurden auch einige Fotos mit Okularprojektion versucht.

Am 17. August schließlich gab es um 19.30 Uhr in der Aula der FHS-Kiel am Knooper Weg einen Vortrag von Matthias Wrigge über die Folgen von Shoemaker-Leavy 9 für Jupiter.

Insgesamt hatten wir hier ein überragendes Ereignis bekommen, das gleichzeitig noch in eine längere Schönwetterphase fiel und somit von uns täglich beobachtet werden konnte. Als ich fast ein Jahr später im Mai 1995 meinen ersten Internetzugang bekam, habe ich mir einige Bilder von dem Kometeneinschlag heruntergeladen. Meist waren dies Bilder vom Hubble-Weltraumteleskop.

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
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