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24.02.2012
Beobachtungsabend Sternwarte Kronshagen


Ort: Sternwarte Kronshagen
Zeit: 19.30 - 00.20 MEZ
Instrumente: 20 cm Newton (Dobson) f=1200 mm


Am Freitag, dem 24. Februar 2012 war es tagsüber bedeckt und diesig. Trotzdem sollte der Himmel am Abend nach dem Durchzug einer Frontlinie sehr schnell aufklaren. Daher ging schon am Nachmittag eine Mail herum, sich am Abend gegen 19.00 Uhr an der Sternwarte zu treffen.

Ich beschloss, sofern es klar wird, meinen 20 cm Newton mit zur Sternwarte zu nehmen, da ich damit ein wenig in die Orion OB1 Assoziation unter den heißen blauen Sternen schauen wollte. Noch am Vorabend hatte ich einiges zur Orion OB1 Assoziation gelesen und daran gedacht, daß das Wintersternbild in den nächsten Wochen abends immer tiefer gen Südwesten sinkt und seine Zeit bald wieder vorbei sein wird. Was fehlt, sind ein paar klare Abende bevor der Orion verschwindet! Nun stand sehr kurzfristig ein klarer Abend bevor, und da muß man natürlich gleich zupacken. Und nur am eigenen Teleskop kann man in Ruhe und ohne Zeitdruck seine Pläne umsetzen, also mußte es mit.

Zunächst druckte ich einige Karten zum Orion aus, sowie einige Wikipedia-Artikel zu den hellen blauen Sternen. Darunter gibt es auch einige Doppelstern. Da kamen schnell 15 Seiten zusammen, die ich in meinem Beobachtungsordner einheftete. Falls Besucher kommen sollten, wollte ich auch etwas darüber erzählen können, über diese blauen, sehr heißen und leuchtkräftigen Sterne, die man dort sieht. Daneben wollte ich auch mal die weniger bekannten NGC-Sternhaufen im Orion aufsuchen.

Während ich noch mit diesen Vorbereitungen beschäftigt war, riß die Wolkendecke von Westen wirklich sehr schnell auf und klarer Himmel kam zum Vorschein. Die Wolken verschwanden schnell und ich sah nach 18 Uhr im Westen die schmale Mondsichel und links vom Mond die strahlende Venus sowie Jupiter. Alle drei waren schön wie auf einer schrägen Linie aufgereiht, und so setzte ich erstmal die Kamera auf das Stativ und machte einige Fotos davon.

Dann lud ich langsam den Unterbau für das 20 cm Spiegelteleskop ein und machte danach noch ein paar Fotos mit dem Mond, Venus und Jupiter. Dann wurden nochmal die ausgedruckten Karten und Sterninfos zum Orion durchgesehen.

Gegen 19 Uhr wurde der Tubus und der Koffer mit dem optischen Zubehör, der Ordner mit den Karten und Infos und die Lampe eingepackt. Dann gings zur Sternwarte. Dort angekommen baute ich das Teleskop auf dem Rasen zwischen den beiden Sternwarten auf. Der Wind war doch recht stark und es zogen recht schnell tiefe Fractusfetzen aus Westen heran. Diese wurden rasch mehr und die Lücken klaren Himmels immer kleiner.

Trotzdem richtete ich mein Teleskop auf den Orion und versuchte erstmal die drei Gürtelsterne einzustellen. Das war gar nicht so einfach, denn man konnte immer nur für wenige Sekunden kurz die Sterne sehen. Genau oberhalb des Orionnebels M 42 gibt es eine Stelle, wo man gut ein Dutzend blaue Sterne der Orion OB1 Assoziation sieht. Dieser kleine Sternhaufen hat die Bezeichnung NGC 1981. Ich stellte ihn in das Okular, aber man sah nur für wenige Sekunden die Sterne, bevor wieder erneute Fractusfetzen drüberzogen. Spass machte das nicht und ich befürchtete, daß es so bleiben könnte. Daher ließ ich meinen Kartenordner erstmal im Fahrzeug, denn so hatte das keinen Sinn.

Wenig später gab es einige größere Lücken zwischen den Fractuswolken, und der Orion war zumindest mal kurz völlig frei von Wolken. Und plötzlich erstrahlte im 25 mm Okular die Pracht von etwa einem Dutzend blauer Sterne! Nach etwa 20 Sekunden versperrten wieder die Fractusfetzen den Blick, aber zumindest hab ich es schon mal kurz gesehen.

Die nächste Lücke nutzte ich für Sigma Orionis, ein schöner Mehrfachstern, mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,8 mag und der Spektralklasse O9. Aber auch Sigma war nach nur 20 Sekunden wieder hinter den Wolken verschwunden. Immerhin habe ich in dieser kurzen Zeit neben den anderen Komponenten auch den etwa 11,5 Bogensekunden vom Hauptstern entfernten Begleiter C gesehen, man wird ja bescheiden!

Dann stellte ich Rigel ein. Auch hier konnte man nur kurzzeitig zwischen den Wolken den Stern im Okular sehen. Ich wechselte zum 12,5 mm Okular auf knapp 100fache Vergrößerung. Den Rigelbegleiter sah ich allerdings nicht. Auch war Rigel schon etwas matschig, da das Seeing nicht so gut war.

In der Sternwarte von Hubert Paulus sah es auch nicht besser aus, ständige Fractusfetzen ließen kaum ein Blick auf die Sterne zu. Dann ging ich in die Sternwarte 2, wo man gerade das Trapez im Orionnebel bei 300facher Vergrößerung sehen konnte. Die 5. Komponente F konnte ich aber nur kurz und andeutungsweise erkennen. Das Teleskop in der Sternwarte 2 ist ein 12-Zoll Meade ACF-SC mit 30,5 cm freier Öffnung und 305 cm Brennweite (f/10). Nach dem Oriontrapez wurde versucht, den Siriusbegleiter zu finden. Mit einem Abstand von nur 8 Bogensekunden und einer scheinbaren Helligkeit von 8,6 mag beträgt der Helligkeitsunterschied zwischen Sirius und seinem Begleiter mehr als 10 Größenklassen! Sirius war im Teleskop eher als großer bunter Matschfleck zu sehen. Dazu war Sirius durch die Wolken auch nur recht kurz und blickweise zu sehen. Zumindest ich konnte den Siriusbegleiter nicht wirklich erkennen.

Dann ging ich wieder zu mein Teleskop und die Wolkenlücken wurden langsam größer. Ich stellte Lambda Orionis ein, und sah neben dem 3,3 mag hellen Hauptstern, der zur Spektralklasse O8 gehört, den nur 4,5 Bogensekunden entfernten und 5,6 mag hellen Begleitstern. Dann ging ich zurück an die Stelle etwas oberhalb des Orionnebels und konnte nochmal den kleinen Haufen blauer Sterne bewundern, aber dieses Mal viel länger, da die Wolkenlücken schon recht groß waren.

Dann sah ich mir den Orionnebel und das Trapez im 25 mm Okular an, also mit etwa 50facher Vergrößerung. Die kleinen Vergrößerungen finde ich viel besser, da die Sterne dann sehr scharf sind, so wie funkelnde Diamanten. Letztlich sind es ja alle ferne Sonnen! Dann ging ich weiter etwas unterhalb des Orionnebels zu Iota Orionis. Der etwa 2,8 mag helle Hauptstern ist ein blauer Stern der Spektralklasse O9 und hat in etwa 11 Bogensekunden Abstand einen knapp 7 mag hellen Begleitstern. Der Helligkeitsunterschied wirkt schon imposant im Okular.

Mittlerweile waren die Wolken schon fast ganz verschwunden und Sirius stand nicht mehr oberhalb des Daches von der Schule, sondern schon leicht rechts vom Schulgebäude. Ich probierte trotz seiner tiefen Stellung den offenen Sternhaufen M 41 in das Okular zu bekommen, was mir gleich gelang. Immerhin waren fast 30 Sterne zu sehen gewesen! Auch in dem aufgebauten Großfeldstecher (20 x 100) von Hubert Paulus stellte ich M 41 ein. Auch in diesem war er deutlich und schön zu sehen gewesen.

Daneben gibt es im Orion einige offene Sternhaufen, wie mir schon lange bekannt ist. Da es jetzt komplett klar war, nahm ich meine Karte und begann einige davon aufzusuchen. Sicher gefunden habe ich NGC 2169, der aus wenigen, aber recht hellen Sternen besteht, welche die Form eines Trapezes bilden, und NGC 2143, der ebenfalls aus wenigen aber hellen Sternen besteht, die ebenfalls die Form eines schiefen Trapezes bilden. Im Gegensatz zu den schönen Messierhaufen sind diese NGC-Haufen im Orion eher unauffällig. Wenn man sie nicht kennt, wird man sie eher als eine zufällige Gruppe von einigen Sternen halten, so wie mir es passiert ist. Die späteren Vergleiche mit dem POSS haben aber gezeigt, daß ich diese Haufen wirklich gesehen habe! Sie werden in Zukunft auch zu meinen Standardobjekten im Winter gehören, denn ihre Aufsuche übt auch gut.

Anschließend kamen noch meine anderen Standardobjekte an die Reihe: Die offenen Sternhaufen M 36, M 37 und M 38 im Fuhrmann, M 35 in den Zwillingen, M 44 im Krebs, h und chi im Perseus sowie der Polarstern, Alamak in der Andromeda, Kastor in den Zwillingen oder Gamma im Löwen. Auch den Doppelstern Psi im Drachen stellte ich nochmal ein.

Ein Blick auf die Uhr in der Sternwarte von Hubert Paulus zeigte das es schon fast Mitternacht war. Ich war schon über 4 Stunden hier! Das fehlende Abendessen machte sich auch schon bemerkbar und so baute ich langsam ab, um es später in leichter Form noch nachholen zu können. Gegen 00.20 Uhr fuhr ich dann wieder nach Hause.

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
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