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Wann beobachten?


Die günstigste Zeit zur Mondbeobachtung ist nicht die Zeit des Vollmondes, sondern davor oder danach! Bei Vollmond fällt das Sonnenlicht so steil auf die Mondoberfläche, daß kaum Schattenwürfe wahrzunehmen sind. Um die Zeit des ersten oder letzten Viertels fällt das Sonnenlicht dagegen recht schräge auf die Mondoberfläche, so daß man ausgeprägte Schatten sieht und das Relief der Mondoberfläche sehr plastisch herauskommt, besonders an der Grenze zwischen dem beleuchteten und unbeleuchteten Mondteil, dem sogenannten Terminator! Welche Oberflächenformationen man bei welchem Mondalter sieht, habe ich in meinen Mondatlas zusammengestellt.


mond2.jpg

Mond um die Zeit des Vollmondes
Auf seiner Oberfläche sind kaum Einzelheiten zu erkennen.
Aufnahme mit Digitalkamera hinter 40 mm Okular am 20 cm Newton gehalten
© Mario Lehwald


Andererseits gibt es auch einige Dinge, die man gerade bei Vollmond sehr gut erkennen kann. Dazu gehören z. B. die hellen Strahlen auf der Mondoberfläche. Der auffälligste Strahlenkrater ist Tycho. Aber auch Kopernikus und Kepler haben auffällige Strahlensysteme. Auch die Untersuchung von Albedo (Rückstrahlungsvermögen) verschiedener Teile der Mondoberfläche ist gerade bei Vollmond möglich. Der Krater Aristarchus ist z. B. das hellste Objekt auf der Mondoberfläche, wie man leicht feststellen wird!

Auch die Tageszeit spielt eine Rolle! Am hellichten Tag kann man den Mond natürlich auch sehen, sofern er zu sehen ist. Allerdings sind dann wegen des hellen Tageslichtes die Kontraste nur sehr gering. Im Teleskop zeigt sich dann eine fahle und blasse Mondscheibe. Erst am Abend, wenn die Sonne sich dem Horizont zuneigt, werden die Kontraste langsam besser. Das Bild unten zeigt als Beispiel den zunehmenden Mond gegen Mittag, am Nachmittag, am Abend zu Sonnenuntergang und nach Einbruch der Dunkelheit.


mondtag.jpg

Die Kontraste des Mondes am Tag- und Nachthimmel:
von links: mittags, nachmittags, abends, nachts
© Mario Lehwald



Vorsicht vor Täuschungen!

Auf dem Mond wechseln die Beleuchtungsverhältnisse ständig. Bei zunehmenden Mond werden die Mondformationen schräge von Osten her beleuchtet, bei Vollmond steil von oben und bei abnehmenden Mond dagegen schräge von Westen. Im Laufe der Jahre verändert sich auch noch der Höhenwinkel der Sonne am Mondhimmel etwas. Das alles führt dazu, daß Krater und andere Formationen vollkommen anders aussehen können! Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich manche Formationen auf dem Mond bei verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aussehen kann!

Ein gutes Beispiel ist die sogenannte Lange Wand, eine Verwerfung im Mare Nubium. Ihr Steilhang ist nach Westen geneigt. Bei aufgehender Sonne und östlichem Lichteinfall (zunehmender Mond) erscheint diese Verwerfung als dunkle Linie, weil der Hang nach Westen geneigt ist und dann einen Schatten wirft. Fällt das Sonnenlicht dagegen von Westen herein (abnehmender Mond), so wird der Hang direkt von der Sonne beleuchtet und erscheint dann als helle Linie!

Solche Veränderungen im Aussehen der Mondformationen bei unterschiedlichen Beleuchtungsverhältnissen können einen Beobachter ganz schön an der Nase herumführen und ihm glauben lassen, er sehe eine echte Veränderung an der Mondoberfläche, z. B. eine Veränderung an einem Kraterwall.

© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
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