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Rigel


In klaren Winternächten dominiert im Süden das prächtige Sternbild Orion, der Himmelsjäger. In ihm gibt es zwei sehr helle Sterne: Einmal den bläulich leuchtenden Rigel und den rötlich leuchtenden Beteigeuze.


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Das Sternbild Orion am Winterhimmel Richtung Süden
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© M. Lehwald


Schon Anfang Januar 2011 habe ich an der Sternwarte Kronshagen einen kleinen Vortrag über den Stern Beteigeuze im Orion gehalten. Nach diesen Vortrag habe ich mir auch den zweiten hellen Stern im Orion - den Rigel - genauer angesehen.


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Das Sternbild Orion mit dem bläulichen Rigel
und dem rötlichen Beteigeuze

Karte erstellt mit Stellarium
© M. Lehwald


Rigel hat eine scheinbare Helligkeit von 0,1 mag und gehört damit zu den hellsten Sternen am Himmel. Die Entfernung von Rigel war früher nicht einfach zu ermitteln. Erst der Satellit Hipparchos konnte eine Parallaxe von 0,004 Bogensekunden messen, was einer Entfernung von etwa 770 Lichtjahren entspricht. Die Toleranz beträgt etwa plus / minus 120 Lichtjahre. Trotz dieser gewaltigen Entfernung strahlt Rigel so hell am Himmel, warum?


Ein Blauer Riese

Schon mit dem bloßem Auge kann man sehen, daß Rigel deutlich bläulich leuchtet. Wie man heute weiß, ist die Farbe eines Sterns ein Hinweis auf seine Temperatur. Blau leuchtende Sterne sind die heißesten. Rigel gehört zu der Spektralklasse B8 und hat eine Oberflächentemperatur von 12.300 Kelvin.

Mit einem Durchmesser von etwa 93 Millionen Kilometern ist Rigel 62mal größer als die Sonne. Würde man ihn an Stelle unserer Sonne setzen, würde er fast bis an die Bahn des Planeten Merkur heranreichen. Rigel ist also ein Blauer Riese.


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Der gigantische Rigel im Vergleich zur Sonne
© M. Lehwald


Und das ist auch mit der Grund, warum Rigel trotz seiner riesigen Entfernung von 770 Lichtjahren so hell am Himmel leuchtet. Erstmal ist er sehr heiß und hat von daher schon eine hohe Leuchtkraft. Andererseits ist seine Oberfläche riesengroß. Und eine große Oberfläche strahlt erheblich mehr Licht ab als eine kleine.

Würde Rigel in einer Entfernung von 10 Parsec (= 32,6 Lichtjahren) stehen, würde er eine Helligkeit von -6,7 mag haben! Das ist deutlich heller wie die Venus. Insgesamt leuchtet Rigel 41.000 mal heller als unsere Sonne.


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Rigel
Ausschnitt aus dem POSS (60 x 60′)
Quelle: Digitized Sky Survey


Rigel leuchtet so stark, daß er mit seinem bläulichen Licht die Gaswolken des Nebels IC 2118 im Sternbild Eridanus zum Leuchten anregt, obwohl diese etwa 20 Lichtjahre von Rigel entfernt sind. IC 2118 wird wegen seiner Form auch Hexenkopfnebel genannt.

Rigel ist nicht nur deutlich größer und heller, er hat auch deutlich mehr Masse als die Sonne, nämlich etwa 17mal soviel. Solche massiven Sterne gehen sehr verschwenderisch mit ihrem Kernbrennstoff, dem Wasserstoff, um. Daher leben sie sehr kurz - nur wenige Millionen Jahre lang. Unsere Sonne hat dagegen eine Lebenszeit von etwa 10 Milliarden Jahren - die Hälfte dieser Frist ist bereits um.


Ein Mehrfachsternsystem

Rigel ist außerdem ein Mehrfachsternsystem. Schon im Jahr 1830 entdeckte G. W. Struve in einer Distanz von 9,5 Bogensekunden einen Begleitstern, der eine scheinbare Helligkeit von 6,8 mag hat. Normalerweise würde jedes kleine Teleskop diese Distanz von 9,5 Bogensekunden trennen können. Andererseits beträgt der Helligkeitsunterschied zwischen beiden Sternen fast 7 Größenklassen! Damit ist der Begleitstern 600mal schwächer als Rigel und wird von diesem in seiner Nähe stark überstrahlt.

Mit einem Teleskop von 15 cm Objektivdurchmesser kann man den Begleitstern von Rigel aber gut sehen. Ich habe ihn am 19. Januar 2011 in dem 15 cm Refraktor der Sternwarte Kronshagen gesehen, wo er auf meinem Wunsch hin eingestellt wurde. Der Anblick war faszinierend, daher erstellte ich eine Impression dieses Anblicks.


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Rigel und sein Begleitstern
Anblick in einem großen Linsenteleskop mit 15 cm Objektivdurchmesser
© M. Lehwald


Der Begleitstern von Rigel hat ebenfalls die Spektralklasse B8 und leuchtet damit auch bläulich. Seine Oberflächentemperatur liegt bei 10.500 Kelvin. Er ist etwa 4mal so groß wie die Sonne und hat etwa 4mal mehr Masse als diese. Rigel und sein Begleitstern umkreisen ihren gemeinsamen Schwerpunkt, wobei der Begleitstern etwa 2.000 astronomische Einheiten von Rigel entfernt ist. Das entspricht 2.000mal dem Abstand der Erde von der Sonne, das sind: 2.000 mal 150 Millionen Kilometer = 300 Milliarden Kilometer.

Später hat man spektroskopisch nachgewiesen, daß der Begleitstern von Rigel ebenfalls doppelt ist, es in Wirklichkeit also zwei Sterne sind. Man bezeichnet sie mit Rigel B und C. Rigel C ist von Masse, Größe und Leuchtkraft ähnlich wie Rigel B.

Später hat man in einem Abstand von 10.000 Astronomischen Einheiten oder 1,5 Billionen Kilometer von Rigel noch einen weiteren Begleitstern gefunden: Rigel D. Er ist deutlich kleiner wie Sonne, etwa halb so groß wie diese und hat auch nur die halbe Masse der Sonne. Mit der Spektralklasse K7 hat Rigel D eine Oberflächentemperatur von 4.000 Kelvin und leuchtet deutlich rötlich. Am Himmel hat er allerdings nur eine scheinbare Helligkeit von 15,4 mag, so daß er erst in sehr großen Amateurteleskopen zu sehen ist. Insgesamt handelt es sich also um ein Vierfachsternsystem.


Kandidat für eine baldige Supernova?

Rigel ist in einem fortgeschrittenen Lebensstadium angekommen und befindet sich bereits im Übergang der Entwicklung zu einem roten Überriesen. Einige Forscher vermuten, daß Rigel bereits kurz vor einer Supernovaexplosion steht und das Stadium des roten Überriesen nicht mehr ganz erreichen wird. Seit der Supernova 1987A wissen wir, daß auch blaue Sterne direkt zu einer Supernova werden können. Das "kurz" kann aber auch noch 1.000 Jahre oder mehr bedeuten, niemand weiß das.


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Rigel strahlt als Supernova am Nachthimmel
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© M. Lehwald


Wenn Rigel zur Supernova explodiert, würde er mehrere Wochen deutlich heller als der Vollmond am Himmel leuchten und der Nachthimmel wäre deutlich aufgehellt. Anschließend wird er schwächer, bis er für bloße Auge schließlich gänzlich verschwindet. Würde das im Sommerhalbjahr passieren, hätten wir für kurze Zeit zwei Sonnen am Himmel, denn Rigel wäre dann auch am Taghimmel deutlich zu sehen.

Jahre nach der Supernovaexplosion von Rigel würde der helle bläuliche Stern im Sternbild Orion fehlen. Nachdem Beteigeuze auch zur Supernova geworden ist, werden die beiden hellen Sterne im Sternbild Orion verschwunden sein und unsere Nachkommen in alten Schriften lesen bzw. auf alten Bilder sehen, wie das Sternbild Orion einst mal ausgesehen hat...


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So würde das Sternbild Orion nach der Supernova von Rigel aussehen
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© M. Lehwald


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Das Sternbild Orion, nachdem auch Beteigeuze explodiert ist
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© M. Lehwald


Daten von Rigel


Katalogbezeichnungen
Beyer: β Orionis
Flamsteed: 19 Orionis
Bonner-Durchmusterung: BD -8° 1063
Bright-Star Katalog: HR 1713
Henry-Draper Katalog: HD 34085
SAO-Katalog: SAO 131907
Hipparcos: HIP 24436
Tycho-Katalog: TYC 5331-1752-1


Rigel allgemein
Rek. 2000: 05 14 32,2
Dek. 2000: -08 12 06
Scheinbare Helligkeit: 0,12 mag
Absolute Helligkeit: -6.7 Mag
Farbindex U-B: -0,66
Farbindex B-V: -0,03
Parallaxe: 0,004"
Radialgeschwindigkeit: 21 km/sec
Eigenbewegung Rek.: 0,00187" pro Jahr
Eigenbewegung Dek.: -0,00056" pro Jahr
Entfernung: 770 Lichtjahre


  Rigel A Rigel B
Absolute Helligkeit: -6.7 Mag -0,4 Mag
Spektralklasse: B8 B9
Leuchtkraft: 41.000 x Sonne 128 x Sonne
Masse: 17 x Sonne 4 x Sonne
Radius: 62 x Sonne 4 x Sonne
Temperatur Oberfläche: 12.300° Kelvin 10.500° Kelvin
Rotation: 70 Tage 0,7 Tage
© Copyright: 1998-2017 Mario Lehwald
www.andromedagalaxie.de